Freitag, 20. August 2021

Datenschutz bei Apps: Was Clubhouse & Co. Unternehmen und Nutzern gezeigt haben

Datenschutz bei Apps: Was Clubhouse & Co. Unternehmen und Nutzern gezeigt haben

Neue Apps verbreiten sich oft rasant. Was heute im Trend liegt, ist morgen schon Standard im privaten und beruflichen Alltag. Genau darin liegt ein Problem: Viele Menschen installieren neue Anwendungen schnell, prüfen aber kaum, welche Daten verarbeitet werden, welche Berechtigungen verlangt werden und welche Risiken daraus für Datenschutz und Informationssicherheit entstehen.



Smartphone mit App-Symbolen als Sinnbild für Datenschutzrisiken durch mobile Apps und übermäßige Berechtigungen

Der Hype um Clubhouse hat das sehr deutlich gezeigt. Die App war ein gutes Beispiel dafür, dass Beliebtheit und Datenschutz nicht dasselbe sind. Auch heute gilt deshalb: Wer Apps im Unternehmen oder privat nutzt, sollte nicht nur auf Funktionen und Komfort schauen, sondern immer auch auf den Umgang mit personenbezogenen Daten.

Warum Datenschutz bei Apps oft unterschätzt wird

Viele Apps verlangen Zugriffe, die auf den ersten Blick harmlos wirken. Dazu gehören etwa Kontakte, Mikrofon, Kamera, Standort oder Benachrichtigungen. Problematisch wird es immer dann, wenn der Zugriff für die eigentliche Nutzung gar nicht erforderlich ist oder wenn unklar bleibt, was der Anbieter mit den Daten genau macht.

Genau das war auch einer der großen Kritikpunkte bei Clubhouse. Diskutiert wurden unter anderem der Umgang mit dem Adressbuch, die Verarbeitung von Kontaktdaten Dritter und die Transparenz darüber, welche Informationen zu welchen Zwecken gespeichert oder ausgewertet werden. Das Grundproblem ist aber größer als nur eine einzelne App: Viele digitale Dienste arbeiten nach ähnlichen Mustern.

Welche Risiken Apps für Nutzer und Unternehmen mitbringen

Datenschutzrisiken entstehen nicht erst dann, wenn ein Datenleck öffentlich wird. Schon die unüberlegte Installation einer App kann dazu führen, dass mehr Daten preisgegeben werden als nötig. Besonders kritisch ist das im Unternehmensumfeld. Dort kann eine App nicht nur private Informationen betreffen, sondern auch geschäftliche Kontakte, Kommunikationsinhalte, Metadaten, Kalenderinformationen oder standortbezogene Daten.

Hinzu kommt ein zweiter Punkt: Apps sind nicht nur ein Datenschutzthema, sondern auch ein Thema der Informationssicherheit. Wenn Mitarbeitende unkontrolliert neue Tools verwenden, entstehen schnell Schatten-IT, unklare Datenflüsse und zusätzliche Angriffsflächen. Gerade bei Kommunikations-Apps, Kollaborations-Tools und KI-Anwendungen sollte deshalb vor der Nutzung geprüft werden, ob der Einsatz organisatorisch und rechtlich überhaupt sauber abgedeckt ist. Mehr dazu haben wir auch im Beitrag KI-Systeme & Datenschutz – Anforderungen an Governance und Datenkontrolle beschrieben.

Worauf vor dem Download geachtet werden sollte

Vor der Nutzung einer App sollten Unternehmen und Privatnutzer mindestens fünf Punkte prüfen: Welche Daten werden erhoben? Welche Berechtigungen werden verlangt? Ist der Zweck nachvollziehbar? Wohin werden die Daten übertragen? Und gibt es klare Informationen zu Datenschutz, Löschung und Betroffenenrechten?

Besonders wichtig ist außerdem die Frage, ob durch die App auch Daten von Dritten betroffen sind. Wer etwa sein Adressbuch freigibt, übermittelt nicht nur eigene Daten, sondern oft auch die Kontaktdaten anderer Personen. Genau das ist datenschutzrechtlich heikel und wird von vielen Nutzern immer noch unterschätzt.

Was Unternehmen organisatorisch regeln sollten

Im Unternehmen reicht es nicht, sich darauf zu verlassen, dass Mitarbeitende „schon vernünftig“ handeln. Sinnvoll sind klare Regeln für die Nutzung neuer Apps und Online-Dienste. Dazu gehören Freigabeprozesse, Prüfkriterien für neue Tools, Vorgaben zu Berechtigungen sowie Awareness-Maßnahmen für Mitarbeitende. Warum das nicht nur eine Formsache ist, zeigt auch unser Beitrag Warum Awareness mehr ist als „Klick und weiter“.

Gerade bei Tools mit Audio-, Video-, Kontakt- oder KI-Funktionen sollte vor der Einführung geprüft werden, ob personenbezogene Daten verarbeitet werden, ob ein Anbieter außerhalb der EU sitzt und ob weitere Verträge oder Informationen erforderlich sind. Wer das nicht strukturiert regelt, handelt sich schnell unnötige Risiken ein. Dazu gehört auch die Frage, ob Mitarbeitende über ausreichende Kenntnisse verfügen. Einen passenden Einstieg dazu bietet unser Beitrag KI-Kompetenz – warum ist sie nötig?.

Was der Fall Clubhouse bis heute zeigt

Auch wenn Clubhouse heute nicht mehr denselben Hype auslöst wie früher, bleibt die Lehre aktuell: Neue Apps kommen oft mit alten Risiken. Hohe Nutzerzahlen, mediale Aufmerksamkeit und moderne Funktionen sagen noch nichts darüber aus, ob eine Anwendung datenschutzfreundlich, transparent oder unter Compliance-Gesichtspunkten geeignet ist.

Genau deshalb lohnt es sich, den Blick zu weiten. Es geht nicht nur um Clubhouse. Es geht um einen wiederkehrenden Fehler im digitalen Alltag: Tools werden schnell eingeführt, aber zu spät geprüft.

Fazit: Erst prüfen, dann installieren

Datenschutz bei Apps ist kein Randthema. Wer Apps privat oder geschäftlich nutzt, sollte Berechtigungen, Datenflüsse und Anbieterinformationen immer kritisch prüfen. Unternehmen sollten zusätzlich klare Vorgaben schaffen, bevor neue Tools in der Praxis eingesetzt werden.

Clubhouse war nur ein prominentes Beispiel. Die eigentliche Botschaft ist zeitlos: Neue Apps bringen selten nur neue Möglichkeiten, sondern oft auch alte Datenschutzrisiken in neuem Gewand.

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